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Wissenswertes rund um Bewegungsanalyse und Wissenschaft

Laufanalyse

Geballte Kompetenz für den Erfolg: die Laufanalyse von Profi-Triathletin Kathi Wolff

 Mitte Dezember konnten wir Profi-Triathletin Kathi Wolff bei uns in Freiberg am Neckar begrüßen. Im folgenden Text berichten wir euch wie Kathi effizienter und schneller laufen kann, welche Maßnahmen sie dazu ergreifen kann und wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten ist.

Top vorbereitet ins Jahr 2017

Nach ihrer ersten Profi-Saison 2016 will sie in der Saison 2017 den nächsten Schritt im Hinblick auf ihren sportlichen Erfolg machen. Mit unserer Laufanalyse „Professional“ wollte sie dementsprechend Verbesserungspotenzial in der wichtigen Abschlussdisziplin aufdecken lassen. Zum Analysetermin brachte Kathi auch ihren Trainer Utz Brenner mit, der den Ablauf und die Ergebnisse der Analyse direkt vor Ort verfolgte.

 

Nach einem kurzen Anamnesegespräch ging es dann direkt los. Die statische 4D-Wirbelsäulenvermessung ergab bei Kathi leichte Seitwärtsverschiebungen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule und eine Rundrückenhaltung. Die Verschiebung im Brustwirbelsäulenbereich sowie der Rundrücken sind vermutlich auf die einseitige Belastung im Sport (Schwimmen) und dem Alltag zurückzuführen. Als angehende Lehrerin hat Kathi im Studium in den Vorlesungen und am Schreibtisch sehr viel gesessen. Die Arbeit am Computer nimmt über die dominante Hand dann Einfluss auf die Haltung. Beim genauem Hinsehen konnten wir erkennen, dass ihr rechtes Schulterblatt etwas weiter oben und nach vorne positioniert war. Dies verhindert die vollständige Rotation und Rückwärtsbewegung des Schulterblattes auf dem Brustkorb. Denn das Schulterblatt ist in hohem Maße davon abhängig, dass die Brustwirbelsäule gut aufgerichtet ist. Dann kann sie ihren Bewegungsumfang gut ausnutzen. Der Schultervorschub verringert diesen Bewegungsumfang und lässt auch die Brustmuskulatur verkürzen. Dies erschwert dann zunehmend die Bewegung des Schulterblattes. Ergebnis: geringere Reichweite beim Kraul-Armzug und vermehrtes Abspreizen des Armes beim Laufen nach außen. Dies war sowohl Kathi als auch Utz durch Training und Feldanalysen bereits bekannt.

Sowohl der Rundrücken als auch die Einschränkung der Schulterblattbewegung führen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit in der Brustwirbelsäule und einer geringeren Aktivierung des breiten Rückenmuskels (m. latissimus dorsi). Über die Aktivierung des Rückenmuskels setzt der Mensch im Gehen und Laufen über das Gegenspieler-Prinzip spiralförmig verlaufende Muskelketten in Gang, die Rumpf, Becken, Beinachsen und Fußgewölbe stabilisieren. Verlernen wir die Einleitung des Armschwungs durch das Schulterblatt oder zwingen uns Fehlhaltungen dazu, werden diese Ketten nicht angesteuert. Folge: wir müssen uns über die vertikalen Muskelketten (z.B. die geraden Rückenstrecker) aufrichten, die durch sitzende und stehende Tätigkeit per se zu verspannt sind. Die Seitwärtsverschiebung der Lendenwirbelsäule bringt zusätzliche Spannung auf die Rückenstrecker und deren Ansatzstelle am Becken.  Das Becken kippt nach vorne und bringt die Lendenwirbelsäule permanent in eine Überstreckung. Die Hüftbeuger verkürzen zunehmend und verhindern eine lange Abstoßphase, da das Bein nicht weit genug nach hinten geführt werden kann.

 

Unsere 2D-Videoanalyse zeigte das Resultat der Beckenrotation und der verkürzten Hüftbeuger: durch einen verlängerten Schritt nach vorne versucht Kathi die verkürzte Abstoßphase auszugleichen. Der Kniehub fällt nicht nur dieser Ausgleichsstrategie zum Opfer. Denn durch die Vorwärtskippung des Beckens endet der Bewegungsumfang des Hüftkopfs auch früher in der Hüftpfanne – der Oberschenkel kann nicht optimal angehoben werden. Die Pendelbewegung der Beine wird somit relativ nah zum Boden ausgeführt. Gegen Ende der Laufdisziplin benötigt Kathi jedes noch so kleine Quäntchen wertvoller Energie, um ihre Gegner auf dem Weg zum Sieg abzuhängen. Die bodennahe Pendelbewegung vergrößert jedoch das Massenträgheitsmoment, durch das sie in den Beinen muskulär stärker arbeiten muss.

Zudem wurden wir während der Beinachsenanalyse darauf aufmerksam, dass ihre linke Beinachse instabiler ist. Es findet sich sowohl in Ober- als auch Unterschenkel eine erhöhte Innenrotation, was gemeinhin als „X-Beinstellung“ bezeichnet wird. Auch hier muss sie deutlich mehr Energie aufwenden, um einen optimalen Abdruck zu gewährleisteten, da auch das Fußgewölbe zunehmend instabiler wird. Die dynamische Fußdruckmessung zeigt im Verlauf ihres Körperschwerpunktes, dass kleine Instabilitäten die Kraftübertragung auf den Boden beeinträchtigt: Vortrieb geht verloren. Hier lässt sich auch ein stets zu beobachtender Zusammenhang verdeutlichen. Die rechte Schulterblattbewegung stabilisiert die linke Beinachse. Sind Beeinträchtigungen im Schultergürtel vorhanden, leidet auch die Stabilisierung der Beinachse.

 

Wir möchten betonen, dass Kathi eine sehr gute Läuferin ist. Sie macht sehr vieles richtig, wie z.B. die Kniestreckung im mittleren Einbeinstand, den Kniehub oder die Arm- und Schulterblattbewegung auf der linken Seiten, nur um einige zu nennen. Beseitigt sie die angesprochenen Schwächen, wird sie zu einer noch besseren Läuferin und kann in 2017 noch schnellere Zeiten laufen. Unsere Hinweise sind Nuancen in ihrem bereits sehr ausgereiften Laufstil. Dennoch hat sie von PraeMedicon-Bewegungsanalytiker Michael Löffelholz einige Übungen mit auf den Weg bekommen, um die Schwachstellen zu beseitigen.

Für Kathi geht es in der Vorbereitungsphase nun darum, die Schulterblattbewegung auf der rechten Seite zu verbessern. Dazu gehört einerseits die Dehnung der vorderen Strukturen (z.B. großer & kleiner Brustmuskel) und andererseits die Kräftigung der Zwischenschulterblattmuskeln (Rhomboiden) und den breiten Rückenmuskel (Lat. Dorsi). Als weitere Maßnahme ist eine Dehnung und Entspannung der vertikal verlaufenden Rückenstrecker (Erector spinae) und der Hüftbeuger (Iliopsoas) anzugehen. In Kombination mit einer Kräftigung der quer verlaufenden Bauchmuskulatur (Transversus abdominis, interne/externe Obliquen) strebt sie dann eine Aufrichtung des Beckens an, um eine Verbesserung des Kniehubs zu erreichen.

 

Dass Trainer Utz Brenner mit dabei war, stellt für unsere Arbeit die Idealsituation im Zusammenhang mit Sportlern dar. Im Dreieck Sportlerin – Trainer – Sportwissenschaftler/Bewegungsanalytiker konnten so wichtige Informationen vermittelt werden, die Kathi direkt zugute kommen. Sowohl für Utz als auch für PraeMedicon ist ganz klar: Kathis Gesundheit und die Verletzungsprävention stehen im Mittelpunkt. Eine hohe Leistungsfähigkeit setzt stets eine gesunde Basis voraus. Komplettiert wurde der Austausch mit Kathis Physiotherapeut Philip Herbst vom lifecenter in Heilbronn (www.lifecenter.de), der sich bei uns in PraeMedicon wichtige Impulse für die weitere Behandlung generiert hat.

 

Die interdisziplinäre Arbeit mit Sportler, Trainer, Physiotherapeut und PraeMedicon bildet die besten Voraussetzungen für eine Verbesserung der Verletzungsprophylaxe und somit der Leistung. Dabei steht die Gesundheit der Athletin immer im Vordergrund.

 

Wir wünschen Kathi in jedem Fall eine erfolgreiche Saison 2017!

17 Jan
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