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Wissenswertes rund um Bewegungsanalyse und Wissenschaft

Laufanalyse Reha

Faszien - ein "vergessenes Sinnesorgan" - Teil 1

Nach einer Laufanalyse bei Sportlern oder Ganganalyse bei Patienten stellen wir häufig fest, dass es besonders im Brustwirbel- und im Schultergürtelbereich starke Einschränkungen in der Mobilität gibt. Faszientraining sorgt bei Sportlern und Patienten für mehr Beweglichkeit und kann auch als Verletzungsprophylaxe eingesetzt werden.

Deswegen stellen wir in diesem Blogeintrag das Faszientraining vor, das mehr Mobilität und Leistungsfähigkeit zum Ziel hat.

Teil 1: Was sind Faszien überhaupt und wie sind sie aufgebaut?

Faszien waren bisher besser bekannt als Bindegewebe. Seit dem internationalen Faszienkongress 2007 in Vancouver wird der Begriff einheitlich als Faszien bezeichnet. Außer der Neubenennung wurde auch die Bedeutung der Faszien höher bewertet. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass diese eine große Rolle in verschiedenen Bereichen spielen, die vorher nicht beachtet wurden. Aktuelle Forschungen belegen: sie bilden eine wichtige Basis für deine körperliche Gesundheit und sportliche Leistungsfähigkeit!

Faszien bestehen aus den fasereigenen Strukturproteinen Kollagen und Elastin sowie aus Wasser und den darin gelösten Nährstoffen. Kollagene sind Eiweiße, die sich zu Ketten mit großer Bindungsfähigkeit und Festigkeit formen, was das Gewebe besonders belastbar macht. Wasser spielt eine wichtige Rolle bei der Funktionalität der Faszie. Zu hohe oder einseitige Belastung oder Bewegungsmangel führen zu einer Entwässerung des Gewebes. Dadurch gehen die Elastizität und damit die Belastungs- und Regenerationsfähigkeit verloren.

Der Aufbau einer Faszie beginnt auf der kleinsten Ebene, bei den Molekülen und bildet sich dann stufenweise weiter: Aminosäuren bilden Kollagenmoleküle, welche wiederum Kollagenfibrillen bilden. Viele dieser Fibrillen bilden ein Fibrillenbündel, die Kollagenfasern formen. Schlussendlich entsteht aus vielen dieser Kollagenfasern unser Fasziensystem. Abbildung 1 verdeutlicht diesen Aufbau nochmals anschaulich.

Der komplexe Aufbau macht die Faszien so flexibel und belastbar. So kann sich der Körper an unterschiedliche Belastungen anpassen, auch wenn diese nur auf Ebene der Moleküle oder Fibrillen stattfindet.

Idealerweise erscheinen bei jungen und aktiven Menschen die einzelnen Fasern der Faszien als Scherengitter-Ausrichtung, wodurch sie dehnbar und reißfest werden. Inaktivität, Bewegungsmangel oder auch Verletzungen und Überbelastung einzelner Strukturen führen zu einer Veränderung dieser angeordneten Gitter – sie verhärten, verfilzen oder verkleben (siehe Abbildung 2). Insbesondere Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen werden heutzutage vermehrt mit harten und verklebten Faszien in Verbindung gebracht. Eine elastische Bewegung ist mit diesem verklebten Bindegewebe nur schwer zu realisieren. Folgen sind undifferenzierte Bewegungen und eine höhere Verletzungsanfälligkeit.

Dieses komplexe Fasziensystem verbindet nun alle Strukturen im Körper und umhüllt jede funktionelle Einheit, auch weit entferntere Strukturen. Einfach gesagt bedeutet dies, dass sie den Körper überziehen wie ein Netz oder wie eine zweite Haut. Durch diese „Vernetzung“ kann es mit unter vorkommen, dass der gefühlte Schmerz und dessen Ursache nicht lokal übereinstimmen, sondern entfernt voneinander liegen.

Sie umhüllen alle Muskeln, Knochen, Gelenke oder Organe. Seiner Faszien beraubt, würde das Gesamtgefüge des Körpers zusammenstürzen. Es bliebe nur noch ein formloser Haufen von Skelett und Muskeln übrig. Somit geben gesunde Faszien dem Körper Halt, halten sämtliche Teile des Körpers zusammen und ermöglichen geschmeidige Bewegungen.

Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Strukturen wie Muskeln und Faszien sind wissenschaftlich bewiesen. Veränderungen der Muskeln wirken sich demnach auch auf das Fasziensystem aus und umgekehrt. Sind die Faszien nun verletzt oder ist das Gewebe verklebt, treten auch an den Gelenken (Steifigkeit, Schmerzen) oder den Muskeln und Nerven Probleme auf. Deswegen galten sie lange auch als „vergessenes Sinnesorgan“, besonders weil Faszien an unser Nervensystem angeschlossen sind. Heute gelten sie als Sinnesorgan. In den Faszien sind Rezeptoren enthalten, die Informationen verarbeiten und weiterleiten. Durch diese Nervenendungen interagieren sie unmittelbar mit dem peripheren Nervensystem und reagieren auch sensibel auf psychischen Stress. Die peripheren Nerven nehmen Reize auf und leiten diese an das zentrale Nervensystem, wo sie im Gehirn und Rückenmark verarbeitet werden. Dadurch prägen sie den Bewegungssinn, genauer die Propriozeption und beeinflussen, wie wohl du dich in deinem Körper fühlst und wie du dich bewegst.

Nun die gute Nachricht: Das verklebte Bindegewebe und die damit verbundenen Schmerzen können leicht behandelt und trainiert werden.

Lies dazu den zweiten Teil unserer Blog-Reihe zum Faszientraining.

Literaturangaben

Bartrow, Kay (2014). Blackroll. Faszien für ein rundum gutes Körpergefühl. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Dennenmoser, S. (2014). Faszientraining. Physiotherapie, 5, 198-201.

Thömmes, F. (2014). Faszientraining: Physiologische Grundlagen, Trainingsprinzipien, Anwendung im Team- und Ausdauersport sowie Einsatz in Prävention und Rehabilitation. Grünwald: Stiebner Verlag.

11 Jan
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