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Wissenswertes rund um Bewegungsanalyse und Wissenschaft

Laufanalyse Patienteninfo Reha

Gesunde Füße sorgen für ein stabiles Fundament unseres Körpers

Vor tausenden Jahren legten unsere Vorfahren bis zu 40 km pro Tag zurück, um nach Nahrung und Wasser zu suchen. Auch heutige Nomadenvölker sind meist den ganzen Tag auf den Füßen. Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzinfarkte oder Probleme am Bewegungsapparat sind ihnen kaum bekannt. Das Leben der modernen Menschen findet überwiegend im Sitzen statt – dafür ist unser Körper nicht geeignet.

Probleme der heutigen Zivilisation

Insgesamt leiden 80 % aller Erwachsenen an Beschwerden des Bewegungsapparates. Nur 10 %  davon resultieren aus einer tatsächlichen Verletzung. Ein Drittel aller Erwachsenen klagen über Fußprobleme. Der Großteil der Beschwerden ist auf langanhaltende Fehlbelastung zurückzuführen: wie z.B. einseitige, falsche Belastung oder fast gar keine bzw. zu starke Belastung. Vor allem bei Sportlern ist die Überlastung leicht zu erkennen, da sie ihrem Körper zu viel zumuten, ihn also überlasten oder einen falschen Bewegungsreiz setzen.

Anatomisches Wunderwerk

Betrachtet man den Fuß anatomisch, ist er ein Wunderwerk der Natur. Mit 26 Knochen, 33 Gelenken und über 100 Muskeln, Sehnen und Bändern ist er unglaublich komplex (siehe beispielhafte Abbildung). Unsere Füße tragen uns durch das ganze Leben, mit ihnen können wir uns sicher auf den unterschiedlichsten Untergründen fortbewegen, sie tragen unser gesamtes Körpergewicht auf wenigen Quadratzentimetern und gehören zu den sensibelsten Zonen unseres Körpers. Über unsere Füße nehmen wir am häufigsten Kontakt mit unserer Umgebung auf. Das nennt man Propriozeption, also die Wahrnehmung.

Der Fuß hat sowohl ein Längs- als auch ein Quergewölbe. Optimalerweise wird unser Körpergewicht über die Ferse, das Großzehen- und Kleinzehengrundgelenk getragen. Unsere Fußmuskulatur stabilisiert das Fußgewölbe. Das Fußgewölbe ist für die einwandfreie Funktion des Fußes von großer Bedeutung, da es wie ein Stoßdämpfer wirkt. Viele Erkrankungen des Fußes basieren auf einem nicht funktionsfähigen Fußgewölbe. Dazu gehören Senkfüße, Spreizfüße oder auch Hohlfüße, woraus sich mit der Zeit Probleme wie ein Hallux valgus (schmerzhafte Schiefstellung der großen Zehe), Ballen- oder Krallenzehen sowie ein Fersensporn (kleine dornförmige Knochenwucherung am Fersenbein) bilden können.

Ungünstige Schuhmodelle

Um dies zu vermeiden, ist eine trainierte und gut funktionierende Fußmuskulatur Voraussetzung. Einer der wichtigsten Trainingsreize für die Fußmuskulatur ist anhaltende Stimulation. Je mehr Reize der Fuß bekommt, desto besser funktioniert er. Glatte Böden sowie dämpfendes oder falsches Schuhwerk bieten kaum Reize. Ungeeignete Schuhe sind kontraproduktiv für eine gesunde Fußstellung. Durch dicke, aufprallabsorbierende Sohlen oder High Heels reduzieren wir die Empfindungsrückmeldung und das Gehirn bekommt dadurch weniger Informationen. Unsere Fußmuskulatur muss selber nicht mehr arbeiten und verkümmert zunehmend. Eine Lösungsmöglichkeit im Alltag kann eine sensomotorische Einlage sein. Das sind Schuheinlagen, die stetig die Propriozeptoren der Fußsohlen stimulieren und damit zu Verbesserungen im Bewegungsapparat führen und somit zur Linderung von Schmerzen beitragen.

Knick-, Senk- oder doch Hohlfuß?

Auch die Plantarfaszie spielt eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des Fußgewölbes. Dies ist eine Sehnenplatte an der Fußsohle. Sie zieht sich von der Ferse zum vorderen Fußballen und spannt somit (wie die Sehne eines Bogens) das Fußgewölbe auf. Bei anhaltender starker oder falscher Belastung kann dieser „Bogen“ nachgeben und sich verlängern. Unser Fußgewölbe knickt nach innen: Es entwickelt sich ein Knickfuß. Die Funktion der Stoßdämpfung geht dabei verloren. Dies führt zu mehr Belastung im Knie- und Hüftgelenk und wirkt sich auf die Wirbelsäule aus. Das Längsgewölbe des Knickfußes flacht im Verlauf der Zeit typischerweise noch weiter ab. Der Knickfuß entwickelt sich zum Senk- und Spreizfuß oder sogar zum Plattfuß. Diese Veränderung/en an den Füßen beeinflusst die Körperhaltung/Bewegung beim Gehen und Laufen. Typische Folgeerscheinungen sind X-Beine, zu wenig Außendrehung in den Hüftgelenken oder ein Verlust der Beckenaufrichtun was schlussendlich mit Rückenschmerzen enden kann.

Eine ganz andere Entwicklung kennzeichnet den Hohlfuß: Aus dem Knickfuß kann sich ein Knick-Hohlfuß entwickeln. Der Hohlfuß ist eine neurologisch (nervlich) überschießende Reaktion auf die schiefe Fehlbelastung. Der Fuß wölbt sich auf, er bäumt sich sozusagen gegen die Belastung auf und die Muskeln und Sehnen des Mittelfußes ziehen sich stark zusammen. Dadurch wird der Mittelfuß unbeweglich. Die Grafik zeigt die Fehlstellungen und die daraus entstehende Belastung auf den Fuß.

Gesunde Füße

Werden unsere Füße nicht so bewegt, wie es ihren Anlagen entspricht, verkümmern sie, ganz nach dem Motto „use it or lose it“.  Ändern wir unseren Gang und die dazugehörigen Bewegungsabläufe, wird unser Fuß gezwungen, sich anzupassen. Alle Veränderungen/Fehlstellungen, die der Fuß durch Fehlbelastungen hervorruft, kann er durch Erlernen gesunder Bewegungsmuster auch wieder rückgängig machen. Im Grunde ist es ganz einfach. Wollen wir unsere Füße kräftigen, müssen wir ihnen das bieten, wofür sie gemacht sind: hüpfen, Gleichgewichtsübungen, gehen und laufen auf verschiedenen Untergründen, und immer barfuß.

Ausblick

In unseren nächsten beiden Blogbeiträgen gehen wir dann vermehrt auf Fußprobleme sowohl im Lauf- als auch im Radsport ein. Dabei betrachten wir genauer, ob es mehr Sinn macht, mit dem Vorfuß, der Ferse oder dem Mittelfuß aufzutreten.

Literturangaben

Litertur:

Luijpers, Wim. Die Heilkraft des Gehens: Gesunder Rücken - Bewegliche Gelenke - Starke Füße (German Edition). Goldmann Verlag. Kindle-Version.

Larsen, Christian; van Lessen, Theda; Hager-Forstenlechner, Eva. Medical Yoga professional (German Edition). Thieme. Kindle-Version.

Bilder:

Larsen, Christian; van Lessen, Theda; Hager-Forstenlechner, Eva. Medical Yoga professional (German Edition). Thieme. Kindle-Version.

26 Apr
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